Helfen ist immer gut

Helfen ist immer gut und manchmal belastend

Fotos: DRK Ravensburg.

Am Bauhof in Horgenzell verladen Mitarbeiter das letzte Grüngut zum Abtransport für die Kompostierung. Die Einsatzfahrzeuge stehen startklar für den Winterdienst bereit. Wenn der Piepser von Daniel Jehle geht oder eine SMS über einen Notfall eingeht, lässt er seine aktuelle Arbeit stehen und eilt unmittelbar zum Einsatzort im Gemeindegebiet Horgenzell. Womöglich geht es um Leben und Tod. Der 31-Jährige ist nicht nur Leiter des Bauhofs, er ist auch als „Helfer vor Ort“ (HvO) vom DRK-Kreisverband Ravensburg für seine Gemeinde im Dienst.

Daniel Jehle ist seit Ende 2015 ehrenamtlicher Helfer vor Ort. Von den 127 Einsätzen im Jahr 2017 hat er 50 übernommen. „Wir haben öfter Einsätze in der Schule“, erklärt er und zeigt in die naheliegende Einrichtung. Ein Knochenbruch im Sportunterricht, aber auch Unfälle in der Pause kommen vor. Dann findet man den Helfer vor Ort bei jüngeren Schülern mit einem Stofftier. Immer redet er ruhig auf die Verunfallten ein. Auch seine rote Uniform wirkt dabei beruhigend, so seine Erfahrung. Er versucht in Erfahrung zu bringen, ob das Kind eine Krankheit hat oder besondere Medikamente nehmen muss. Diese wichtigen Informationen gibt er dann an die Rettungskräfte weiter.

Aufgabe mit Emotionen

Vor allem, wenn Kinder Ursache für den Einsatz sind, sind auch Emotionen im Spiel. Je kleiner die Kinder, desto mehr. Seit er selbst Vater ist, sei ihm noch klarer geworden, wie wichtig schnelle Hilfe ist. Auch er sei über den Rat eines HvO-Kollegen schon froh gewesen, als sich sein Ältester bei einem häuslichen Unfall am Kopf verletzte. Mit der abgeschlossenen Sanitätsausbildung und regelmäßigen Fortbildungen wisse man als Helfer vor Ort ganz genau, was bei einem Herzstillstand zu tun ist und man funktioniere entsprechend. Schwieriger seien neurologische Sachverhalte einzuschätzen.

Alles ist möglich

Jehle hat schon Einiges erlebt: vom Baby, das vom Wickeltisch gefallen ist, einem in der Badewanne verbrühten Kind, über Suizidversuche und Alkoholvergiftungen bis hin zu schweren Unfällen. Dass er Menschen helfen kann, die er kennt, ist einerseits motivierend. Andererseits kann genau dieser Punkt auch belastend wirken. Wenn er will, erhält er psychologische Versorgung seitens des DRK. Auch hätten Notrufe wegen harmlosen Verletzungen in den vergangenen Jahren zugenommen. Die würden die Rettungskette unnötig blockieren und andere, die Hilfe in dem Moment sehr dringend brauchten, womöglich zusätzlich in Gefahr bringen.

Große Flächengemeinde

Ein Notruf von der Leitzentrale kann jeden der über 80 Teilorte Horgenzells betreffen. Bei einer Fläche von über 50 Quadratkilometern zieht sich manche Fahrt zum Einsatzort. Auch wenn es heißt, zügig anzukommen, ist Jehle für seinen Fahrstil eigenverantwortlich. Da seine derzeit fünf HvO-Kollegen weiter entfernt arbeiten, ist tagsüber oft er gefragt. „Aber wenn die Anfahrt mehr als zehn Minuten dauert, dann fahren wir nicht los“, sagt Jehle. Dann nämlich sollte auch schon der Rettungswagen vor Ort sein. Die Gemeinde bezahlt Jehle bei Einsätzen während der Arbeit weiter. Sie hat auch die Kosten für die Erstausstattung, wie den Einsatzrucksack und Defibrillator (AED) übernommen. Wird Jehle außerhalb seiner Arbeitszeit angepiepst, ist es für den Helfer vor Ort aus Zogenweiler ein Ehrenamt, bei dem auch sein eigenes Fahrzeug unentgeltlich zum Einsatz kommt.

Informationen „Helfer vor Ort“:

„Helfer vor Ort“ wurden im Jahr 2000 vom DRK-Kreisverband Ravensburg installiert. Horgenzell gehörte neben Schmalegg, Grünkraut und Eschach zu den ersten Gemeinden, die eine solche Gruppe hatten. Inzwischen gibt es im Kreisgebiet 26 HvO-Gruppen. Sie leisten vor Ort rasche Erste Hilfe, bis Rettungswagen und Notarzt eintreffen.

Pressemitteilung des DRK-Kreisverbands Ravensburg e. V.

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