Nachruf auf Agathe Mooser

Foto: DRK Ravensburg

In ihrem 91. Lebensjahr verstarb in einem Ravensburger Seniorenheim das dienstälteste Mitglied der DRK-Bereitschaft Ravensburg. Als 19-Jährige hat sie sich von einer Kollegin überreden lassen, einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen. Nach der Abschlussprüfung ihres Erste-Hilfe-Kurses half sie in ihrer Freizeit beim Entladen der regelmäßig in Ravensburg eintreffenden Lazarettzüge. Tapfer nahm sie es hin, bei den verwundeten Soldaten, deren Wunden provisorisch mit Papierbinden bedeckt waren, nach Tagen den ersten Verbandwechsel vorzunehmen. Als im März 1945 die Argonnenkaserne in Weingarten bombardiert wurde fehlten hauptamtliche Kräfte für die Versorgung der Verletzten. Kurzerhand wurde Agathe Mooser verpflichtet, im Notoperationssaal bei Amputationen zu assistieren. Der Einzug der Franzosen bedeutete für die junge Frau keine Befreiung. Drei Monate wurde sie im Weißenauer Lazarett eingesperrt und hatte als Ersthelferin im Klostergebäude die Verantwortung für einen Saal von Verletzten und Verwundeten. Es folgten arbeitsreiche und entbehrungsreiche Monate, in denen sie sich in Gefahr begab, weil sie aus einem Internierungslager in der Ziegelstraße Post schmuggelte, um den Angehörigen der Inhaftierten ein Lebenszeichen zukommen zu lassen. Nach der Normalisierung der Nachkriegswirren arbeitete sie ehrenamtlich als Beifahrerin bei Krankentransporten, die vom „Waldhorn“-Wirt Dressel im Auftrag des Roten Kreuzes durchgeführt wurden. Seit dem ersten Blutspendetermin in den 1950er-Jahren war sie bei über 200 Terminen im Einsatz. Später bedauerte sie, bei drei Terminen verhindert gewesen zu sein. Für sie als aktive Sportlerin war es selbstverständlich, bei Sportveranstaltungen zahlreiche Sanitätsdienste zu leisten. Apropos Sport: An 29 Marathonläufen in allen Kontinenten hat sie teilgenommen und mehrere Weltmeistertitel errungen. Neben dem Laufen hat sie sich später dem Gehen zugewandt und war außerdem Jahrzehnte Mitglied bei der DAV-Sektion Ravensburg. Für keine Arbeit im DRK war sie sich zu schade. Sie hat nicht viel Aufhebens um ihre Person gemacht. Anlässlich eines Interviews hat sie darum gebeten, nicht zu viel über sie zu schreiben. Bei der Haus- und Straßensammlung konnte sie immer sehr gute Ergebnisse vorweisen. Eines ihrer Hobbys war das Filmen, mit dem sie Ereignisse in der DRK-Bereitschaft Ravensburg festhielt. Nach ihrer Pensionierung als Chefbuchhalterin in einer Wangener Firma fand sie ein weiteres Betätigungsfeld beim Seniorentreff Ravensburg, wo sie zu ihren Englischkenntnissen weitere Sprachen lernte, aber auch selbst handwerkliche Kurse gab. Bis vor einigen Monaten hat sie noch fast jeden Fortbildungsabend der DRK-Bereitschaft besucht. Als Alleinstehende hat sie es geschätzt, sich anschließend mit ihren langjährigen Weggefährten auszutauschen zu können. Bei ihrem 60-jährigen Jubiläum im DRK wurde ihr die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Im Frühjahr dieses Jahres überreichte ihr die Bereitschaftsleitung im Seniorenheim die Urkunde und die Ehrennadel für ihr 70-jähriges Dienstjubiläum. Beim Trauergottesdienst in der St.-Christina-Kirche war eine Abordnung der DRK-Bereitschaft mit einer Fahnenabordnung anwesend. Der DRK-Ortsvereinsvorsitzende Alfred Bosch hielt einen bewegenden Nachruf in der Kirche. Die anwesenden Ravensburger Rotkreuzmitglieder geleiteten Agathe Mooser auf ihrem letzten Weg zur ewigen Ruhe. Sie werden ihrem Ehrenmitglied ein ehrendes Andenken bewahren.

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